Karriere-Ratgeber
Merkt der Recruiter, dass mein Anschreiben von einer KI ist?
Dirk Walter
Gründer karriva, CRM und Direct Marketing
Ob du KI genutzt hast, sieht man einem Anschreiben meist nicht direkt an. Was auffällt, sind Sätze, die für zwanzig andere Bewerbungen genauso passen würden. Solche Floskeln gab es lange vor ChatGPT, Recruiter kennen das Muster seit Jahren. Neu ist nur, wie sensibel sie inzwischen darauf reagieren.
Warum diese Frage gerade jetzt relevant ist und warum sie nicht neu ist
Die Zahlen zeigen, wie schnell sich das verändert hat. Inzwischen haben 43,2 Prozent der Bewerbenden schon einmal KI für ihr Anschreiben genutzt, verglichen mit 12,7 Prozent im Frühjahr 2023.[1] Der Anteil hat sich in zwei Jahren mehr als verdreifacht. Gleichzeitig sinkt die grundsätzliche Skepsis: 2023 hielten noch 50,7 Prozent der Befragten die KI-Nutzung fürs Anschreiben für eine Art Betrug, heute sind es noch 26,5 Prozent.[1] KI im Bewerbungsprozess ist innerhalb kürzester Zeit vom Tabuthema zur Routine geworden.
Was dabei oft übersehen wird: Anschreiben waren nie frei von Wiederholung. „Hiermit bewerbe ich mich um die ausgeschriebene Stelle als...“ oder „Ihr Unternehmen ist mir bereits als innovativer Marktführer bekannt“ gibt es seit Jahrzehnten, lange vor jeder KI. Recruiter haben Tausende solcher Sätze gelesen. Neu ist die Vermutung, die inzwischen automatisch mitschwingt: Wirkt ein Satz beliebig, denkt der Recruiter heute schneller an KI als noch vor zwei Jahren.
Was Recruitern beim Lesen wirklich auffällt
69 Prozent der Recruiter geben an, dass Bewerbungsunterlagen in Zeiten von KI weniger individuell auf die ausgeschriebene Stelle angepasst sind. 73 Prozent empfinden Bewerbungen inzwischen als weniger authentisch, 75 Prozent stellen fest, dass Qualifikationen zu oft übertrieben dargestellt werden. Gleichzeitig loben 74 Prozent der Recruiter das professionellere Erscheinungsbild der Unterlagen, seit KI im Spiel ist.[2]
Sprachlich wird es also besser, inhaltlich dünner.
„KI ist ein mächtiges Werkzeug, aber perfekt ist nicht immer authentisch. Authentizität, relevante Erfahrungen und eine klare Motivation bleiben entscheidend, gerade im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.“
Dr. Tobias Zimmermann, Arbeitsmarktexperte bei The Stepstone Group
Recruitern geht es nicht darum, KI-Nutzung zu erkennen und abzustrafen. Ihnen fällt auf, wenn ein makellos formulierter Text nichts über die Person verrät, die sich bewirbt.
KI-Anschreiben wirken oft beliebig, selbst wenn sie gut formuliert sind
Der Grund liegt im Prozess, nicht im Werkzeug. Die typische Nutzung: Stellenanzeige kopieren, in ein KI-Tool einfügen, um ein Anschreiben bitten. Das Ergebnis greift die Anzeige zuverlässig auf, weil die KI genau diese Information hat. Was ihr fehlt, ist die andere Seite: wer sich bewirbt, welche Erfahrung wirklich zählt, wie sie zur Stelle passt. Ohne diesen Kontext bleibt der KI nur, plausibel zu formulieren, was zu vielen ähnlichen Stellen passen könnte.
Das Ergebnis liest sich flüssig, bleibt aber bei „ich erfülle diese Punkte“ stehen, statt eine echte Verbindung zwischen Person und Stelle herzustellen. Ein Anschreiben, das nur aus der Stellenanzeige heraus entsteht, kann diese Verbindung strukturell nicht herstellen, ihm fehlt die Hälfte der Information.
Der eigentliche Unterschied: beliebig oder mit echtem Bezug zur eigenen Person
Der Unterschied zeigt sich beispielsweise an einem einzelnen Satz: „Durch meine bisherige Erfahrung im Vertrieb konnte ich meine Kommunikationsfähigkeiten und mein Verhandlungsgeschick stetig weiterentwickeln.“ Grammatisch einwandfrei, würde aber in fast jedes Anschreiben für eine Vertriebsposition passen.
Mit echtem Bezug liest sich eine vergleichbare Aussage anders: „Als ich bei meiner letzten Station drei Monate vor Vertragsende ein Kundenportfolio übernommen habe, das kurz vor der Kündigung stand, ging es nicht um Verhandlungsgeschick im Allgemeinen, sondern darum, in drei Wochen herauszufinden, warum genau diese Kunden unzufrieden waren.“ Der zweite Satz beschreibt eine konkrete Situation, eine Entscheidung, ein Ergebnis. Er lässt sich nicht in ein anderes Anschreiben kopieren. Beide Sätze könnten technisch von einer KI formuliert worden sein. Entscheidend ist, ob sie vorher wusste, welche Erfahrung überhaupt beschrieben werden soll.
Wie ein Anschreiben entsteht, das sich nicht beliebig liest
Drei Prinzipien helfen, unabhängig davon, ob KI im Spiel ist.
Erstens: eine konkrete Station nennen statt eine allgemeine Kompetenz zu behaupten.
Zweitens: die Verbindung zur Stelle explizit herstellen, warum genau diese Aufgabe, warum genau dieses Unternehmen.
Drittens: KI als Ausgangspunkt nutzen, nicht als fertiges Ergebnis übernehmen.
Zwei Bewerbende beschreiben in einer Studie genau diesen Umgang:
„Ich nutze KI, um eine Grundlage zu schaffen, und passe die Texte dann individuell an. Das 1:1 Übernehmen eines KI-Textes kommt für mich aktuell nicht in Frage.“
„Ich nutze ChatGPT, um einen Leitfaden für mein Anschreiben zu erhalten, forme es dann aber mit eigenen Worten aus.“[1]
Befragte, softgarden-Studie
Beide nutzen KI aktiv, geben ihr aber nicht die Entscheidung darüber, was am Ende erzählt wird.
Wie karriva das strukturell löst
Bei karriva ist das eigene Profil bereits da, bevor überhaupt eine Stellenanzeige ins Spiel kommt. Die Karriere-Positionierung entsteht aus dem Lebenslauf und gezielten Rückfragen, unabhängig von einer konkreten Stelle: welche Stationen wirklich zählen, worin die eigentliche Stärke liegt. Kommt dann eine Stellenanzeige dazu, kennt die KI beide Seiten gleichzeitig, Profil und Anforderung, und berechnet daraus einen Match mit Begründung. Im Marketing nennt man das Hyper-Personalisierung.
Das Anschreiben entsteht auf dieser Basis, nicht aus einer einzeln eingefügten Anzeige. Es verbindet, was jemand mitbringt, mit dem, was die Stelle konkret sucht. Der Unterschied entscheidet sich nicht dabei, ob KI genutzt wird, sondern davor: bei der Frage, ob die KI weiß, wer da schreibt.
Quellen
- [1]softgarden-Studie "Recruiting 2026: Was Bewerbende über KI im Bewerbungsprozess verraten". Online-Kurzumfrage unter 6.929 Bewerbenden, Laufzeit 6. Mai bis 1. Juli 2025. ↑
- [2]StepStone Application Quality Studie, veröffentlicht 27. Mai 2025 von The Stepstone Group. Befragt wurden 704 Recruiter*innen und 3.495 Kandidat*innen zwischen 20. März und 9. April 2025. ↑
Ein Anschreiben, das aus deinem Profil entsteht, nicht aus einer Stellenanzeige allein.
karriva verbindet deine Karriere-Positionierung mit der konkreten Stelle.

Dirk Walter
Gründer von karriva
Dirk Walter hat karriva gebaut, nachdem er selbst erlebt hat, wie schwer es ist, sich im Bewerbungsprozess klar zu positionieren. Er kommt aus dem CRM und Direct Marketing und überträgt diese Prinzipien auf die Jobsuche.
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